Anschlusstypen und Funktionen
ARGUS Produkte auf einen Blick
Bei der Installation, Abnahme oder Fehlersuche an einem FTTH-Anschluss werden Powermeter und OTDR für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt. Ein optisches Powermeter (OPM) misst, wie viel optische Leistung an einem bestimmten Messpunkt ankommt. Ein OTDR (Optical Time Domain Reflectometer) analysiert dagegen die Glasfaserstrecke und kann zeigen, wo sich ein Fehler oder eine auffällige Dämpfung befindet.
Vereinfacht lässt sich der Unterschied deshalb auf zwei Fragen reduzieren:
Powermeter: Wie viel optische Leistung kommt an?
OFL/OTDR: Wo auf der Glasfaserstrecke liegt das Problem?
Beide Messverfahren ergänzen sich: Zeigt die Pegelmessung einen auffälligen Wert, kann anschließend eine reflektometrische Messung mit OFL oder OTDR zur Lokalisierung der Ursache eingesetzt werden.
Ein optisches Powermeter wird eingesetzt, um den optischen Pegel an einem bestimmten Punkt der Glasfaserverbindung zu messen. Damit lässt sich beispielsweise überprüfen, ob am Teilnehmeranschluss ausreichend optische Leistung ankommt.
Bei einem aktiven GPON- oder XGS-PON-Anschluss ist ein selektives bzw. gefiltertes PON-Powermeter besonders sinnvoll. GPON verwendet 1490 nm im Downstream und 1310 nm im Upstream, XGS-PON 1577 nm beziehungsweise 1270 nm. Werden mehrere Signale gleichzeitig über dieselbe Faser übertragen, müssen die einzelnen Wellenlängen getrennt betrachtet werden.
Ein einfacher Gesamtpegel reicht für eine eindeutige Bewertung dann nicht aus. Ein selektives Powermeter kann die einzelnen Wellenlängen getrennt erfassen und so die jeweiligen optischen Pegel bestimmen.
Zeigt die Pegelmessung beispielsweise eine zu hohe Dämpfung, ist damit noch nicht bekannt, wo auf der Glasfaserstrecke die Ursache liegt. Hier kommt ein OTDR zum Einsatz.
Ein OTDR sendet einen definierten optischen Impuls in die Faser und analysiert die zurückgestreuten und reflektierten Signalanteile. Dadurch können Ereignisse entlang der Glasfaserstrecke erkannt und lokalisiert werden.
Je nach Messung lassen sich unter anderem folgende Ereignisse und Eigenschaften der Glasfaserstrecke erkennen und analysieren:
OTDR-Messkurve einer Glasfaserstrecke mit Spleißen, Steckverbindern, Makrobiegung und Faserende bei 1310 nm und 1650 nm
Damit beantwortet das OTDR nicht nur die Frage, ob ein Problem besteht, sondern liefert Informationen darüber, wo auf der Faser es sich befindet und wodurch es verursacht werden könnte.
Für die Fehlersuche ergibt sich damit ein einfacher Ablauf:
Faser inspizieren → PON-Pegel messen → Pegel bewerten → bei auffälligem Ergebnis OFL/OTDR einsetzen → Fehler lokalisieren
Powermeter und OTDR sind dabei keine konkurrierenden Messverfahren. Sie beantworten unterschiedliche Fragen und können bei der Fehlersuche aufeinander aufbauen.
Nicht für jeden Servicefall ist die vollständige Mess- und Analysetiefe eines OTDR erforderlich. Für eine schnelle Fehlerlokalisierung kann ein Optical Fault Locator (OFL) eingesetzt werden.
OFL und OTDR basieren auf reflektometrischen Messungen, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Ein OFL reduziert die Messung auf die für den Service wichtigen Informationen und führt den Techniker möglichst automatisch zu einem auffälligen Ereignis. Erkannte Ereignisse und ihre Entfernung werden in leicht verständlicher Form dargestellt.
Ein vollwertiges OTDR liefert darüber hinaus detaillierte Informationen über die gesamte Faserstrecke und ermöglicht eine tiefergehende Analyse von Dämpfung, Reflexionen, Spleißen und Steckverbindern.
| Frage / Anwendung | OFL / vereinfachte Fehlerlokalisierung | Vollwertiges OTDR |
|---|---|---|
| Was möchte ich wissen? | Wo befindet sich ein auffälliges Ereignis? | Was passiert detailliert auf der gesamten Glasfaserstrecke? |
| Typischer Anwender | Installations- und Servicetechniker | Glasfasertechniker / Messtechnikexperte |
| Bedienung | Geführte, weitgehend automatische Auswertung | Automatik oder detaillierte manuelle Analyse |
| Darstellung | Ereignisse und Entfernung in leicht verständlicher Form | Event-Tabelle und vollständige OTDR-Kurve |
| Fehler lokalisieren | Ja | Ja |
| Spleiße und Steckverbinder detailliert charakterisieren | Eingeschränkt | Ja |
| Ereignisdämpfung bestimmen | Eingeschränkt | Ja |
| Streckendämpfung analysieren | Eingeschränkt | Ja |
| ORL / Reflexionsanalyse | Eingeschränkt | Ja |
| Manuelle Detailanalyse | Nicht primäres Ziel | Ja |
| Einsatzschwerpunkt | Schnelle Fehlersuche auf der letzten Meile | Umfassende Abnahme und detaillierte Faserdiagnose |
| Entscheidender Vorteil | Schnelle, eindeutige Serviceaussage | Maximale Mess- und Analysetiefe |
Für die Messung und Fehlerlokalisierung stehen je nach Anwendungsfall unterschiedliche ARGUS-Tester zur Verfügung. Der ARGUS® F200 und ARGUS® F240 können PON-Messfunktionen mit dem Optical Fault Locator (OFL) zur vereinfachten Fehlerlokalisierung kombinieren. Der ARGUS® F300 und ARGUS® 300 verbinden PON-Messfunktionen mit einem vollwertigen OTDR.
Dadurch kann nach einem auffälligen Pegelergebnis direkt eine Fehlerlokalisierung beziehungsweise detaillierte Faseranalyse durchgeführt werden, ohne für die nächste Messung auf ein separates Messgerät wechseln zu müssen.
ARGUS F200 | ARGUS F240 | ARGUS F300 | ARGUS 300 | ARGUS 260
| Spezifikation | ARGUS OTDR |
|---|---|
| Messverfahren | Optical Time Domain Reflectometer (OTDR) |
| Wellenlängen | 1310 + 1650 nm oder 1310 + 1550 nm |
| Dynamikbereich | bis 37 dB |
| Erreignistotzone | 0,9 m |
| Dämpfungstotzone | 3,5 m |
| PON-Totzone | ≤ 25 m, typisch 20 m |
| Anzeigebereich | 250 m bis 240 km* |
| Messmodi | Smart Auto, Expert, Real Time bis 4 Hz |
| Erkannte Ereignisse | u. a. Steckverbinder, Spleiße und Biegungen |
| Einfügedämpfung (IL) | Ja |
| Optische Rückflussdämpfung (ORL) | Ja |
| Macrobend-Lokalisierung | Ja, durch Vergleich zweier Wellenlängen |
| Vorlauffaser verwendbar | Ja |